Der Verein der Freunde und Förderer der Universität zu Köln e.V. (gegründet 1924) und das Absolventennetzwerk KölnAlumni e.V. (gegründet 2002) haben sich im Juni 2009 zusammengeschlossen. Der neue Verein KölnAlumni – Freunde und Förderer der Universität e.V. wurde begründet, um die gemeinsamen Zielsetzungen künftig noch besser erreichen zu können: Absolvent/innen sowie Freunde und Förderer mit der Universität in Kontakt zu halten, ein starkes Netzwerk und spannende Veranstaltungen zu bieten und die Universität durch unsere Arbeit zu unterstützen.

Weitere Informationen

11.05.2012: IX. KölnAlumni-Symposium: Frauen an die Macht. Anspruch, Wirklichkeit und Perspektiven der Gleichstellung

 

 

Gleich, gleicher, Gleichstellung?

Das IX. KölnAlumni-Symposium „Frauen an die Macht“ diskutiert Anspruch, Wirklichkeit und Perspektiven der Gleichstellung

Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist verfassungsmäßig verankert. Artikel 3, Absatz 2, des Grundgesetzes lautet: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ Der Gesetzestext ist klar formuliert, aber wie stellt sich die Situation im Jahr 2012 dar? Klaffen Anspruch und Wirklichkeit auseinander?

Daten und Fakten sprechen gegen eine umfassende Gleichstellung der Geschlechter. Eine aktuelle OECD-Studie (Quelle: www.oecd.org) über die berufliche Situation von Frauen und Männern beispielsweise belegt: Frauen verdienen weniger und sind weniger häufig in Führungspositionen anzutreffen. Ein Grund für EU-Kommissarin Viviane Reding, Justizkommissarin und zuständig für Gleichstellungsfragen, eine europaweite gesetzliche Regelung der Frauenquote in Betracht zu ziehen. Konkrete Vorschläge will sie im Sommer 2012 vorlegen.

Expertinnen und Experten aus Politik und Praxis sind sich bei diesem Thema alles andere als einig. Die Frage, ob die Frauenquote ein geeigneter Weg ist, ist noch lange nicht beantwortet. Gerade wenn es um staatliche Eingriffe geht, kommt es zu vielfachem Widerstand, häufig werden sie als nicht notwendig abgewehrt und abgetan. Fraglich ist, ob solche Eingriffe erforderlich sind – oder nur überambitioniert.

Auch die Debatte, ob qualifizierte Männer mit einer Frauenquote benachteiligt werden, ist noch nicht abgeschlossen. Und überhaupt: Wird das Thema Gleichstellung etwa nur einseitig betrachtet? Im Bereich Familien-, Sorge- und Scheidungsrecht beispielsweise gibt es viele Aspekte, die im Hinblick auf eine Benachteiligung von Männern kontrovers diskutiert werden können.

Mit diesen und ähnlichen Fragen setzen sich Frauen und Männer nicht erst seit Inkrafttreten des Grundgesetzes 1949 auseinander. Der Ton beider Lager hat sich über die Jahrzehnte zunehmend verschärft. Nicht selten stellt sich die Frage: Geht es eigentlich noch primär um Gleichstellung?

Das IX. KölnAlumni-Symposium „Frauen an die Macht. Anspruch, Wirklichkeit und Perspektiven der Gleichstellung“ will den Status Quo der Gleichstellungspraxis aufzeigen, Erfolge würdigen, Probleme benennen und Perspektiven aufzeigen.

Programm

Begrüßung

Prof. Dr. Erland Erdmann, Präsident KölnAlumni – Freunde und Förderer der Universität zu Köln e. V.
Prof. Dr. Axel Freimuth, Rektor der Universität zu Köln


Podiumsdiskussion

Dr. Lale Akgün
Politikerin und Referatsleiterin in der Staatskanzlei NRW, Psychologin, Autorin
(mehr)

Prof. Dr. Gerhard Amendt
Soziologe, emeritierter Professor am Institut für Geschlechter- und Generationenforschung der Universität Bremen, Autor
(mehr)

Monika Ebeling
Diplom Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin, systemische Familientherapeutin, Autorin
(mehr)

Professor Dr. Wolfgang Plischke
Mitglied des Vorstands der Bayer AG
(mehr)

 

Moderation

Prof. Dr. Christiane Woopen
Professorin für Ethik und Theorie der Medizin an der Universität zu Köln, Vorsitzende des Deutschen Ethikrates
(mehr)

 

Die Veranstaltung ist öffentlich, die Teilnahme ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist erforderlich unter https://alumni.uni-koeln.de/public/termine.aspx?t=158.

Im Anschluss an die Veranstaltung findet ein Empfang für Mitglieder und ihre Gäste statt.

 

Die Referenten – Vitae und Statements

 

Dr. Lale Akgün, 1953 in Istanbul geboren, ist seit Anfang 2011 Gruppenleiterin für “Internationale Angelegenheiten und Eine-Welt-Politik” in der Staatskanzlei des Landes NRW. Seit ihrem neunten Lebensjahr lebt sie in Deutschland, die deutsche Staatsangehörigkeit nahm sie 1981 an. Sie studierte in Marburg Medizin, Völkerkunde und Psychologie. Sie arbeitete von 1981bis 1997 bei der Stadt Köln bei der Jugendhilfe und der Familienberatung und stieg zur stellvertretenden Leiterin der Familienberatung auf. Währenddessen promovierte sie an der Universität zu Köln mit dem Thema “Zur Anwendung von nonverbalen Intelligenztests bei türkischen Grundschulkindern”. Von 1997 bis 2002 leitete sie das Landeszentrum für Zuwanderung des Landes NRW. Sie war 1997 außerdem Lehrbeauftragte an der Universität zu Köln. 1999 erhielt sie ihre Approbation zur psychologischen Psychotherapeutin. Von 2001 bis 2005 war sie Mitglied des Unterbezirksvorstandes der SPD Köln, von 2002 bis 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages als stellvertretende Europa- und Migrationspolitische Sprecherin und Islambeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion.

Sie ist verheiratet und hat eine Tochter.

Veröffentlichungen: Tante Semra im Leberkäseland (2008), Der getürkte Reichstag (2010), Aufstand der Kopftuchmädchen (2011), Kebabweihnacht (2011)

Frau Akgün, sollte die Politik mit Vorgaben zur Gleichstellung steuernd eingreifen, oder bleibt sie damit per se hinter der gesellschaftlichen Realität zurück?

"Der enorme Fortschritt im Bereich der Gleichstellung in den letzten 40 Jahren ist in erster Linie den Frauen selbst zu verdanken. Sie haben überkommene Rollenmuster hinter sich gelassen und gestalten die Gesellschaft mit. Politik hat die Aufgabe, diese gesellschaftliche Entwicklung anzuerkennen und dort, wo nötig zu flankieren und gesetzlich zu unterstützen.Und genau deshalb braucht es politischer Instrumente wie der Frauenquote, oder Gesetze zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Erst durch die gesetzlichen Vorgaben wird Gleichstellung zum Mainstream und bleibt nicht die Erfolgsstory einzelner Frauen."

 

Prof. Dr. Gerhard Amendt war Professor am Institut für Geschlechter- und Generationenforschung der Universität Bremen. 2003 wurde er emeritiert. Amendt studierte Soziologie in Frankfurt am Main (u. a. bei Adorno), Gießen (Helge Pross), London und New York.

Der zentrale Schwerpunkt von Amendts Arbeit ist die Analyse von Geschlechterbeziehungen. Sie werden als von Männern und Frauen gemeinsam hervorgebracht beschrieben. Beziehungen sind grundsätzlich nicht polarisiert, sondern mit lösbaren Konflikten behaftet. Empirischen Forschungen liegen vor zum Mutter-Sohn-Verhältnis, Erfahrungen von Scheidungsvätern, der Gewaltdynamik in Partnerschaften und Familien. Bücher und Aufsätze behandeln die Themenbereiche Kindeswohl und Scheidung sowie homosexuelle Elternschaft, die Ideologie des Genderfeminismus wie die Zukunft der Geschlechterbeziehungen.

2011 erschien „Frauenquoten – Quotenfrauen. Oder: Einem geschenkten Gaul...“, eine Untersuchung über die vielfältigen Facetten der Quotenpolitik. Amendt kommt u. a. zu dem Ergebnis, dass Quoten zwar gut gemeint sind, aber Frauen nicht ernst nehmen und gegen das Grundgesetz verstoßen. Ebenso werden leistungsbereite Männer wie Frauen benachteiligt. Störungen des Betriebsfriedens, des Personalmangements, der Leistungsmotivation und der Good Governance sind absehbar.

2012 erscheint: „Was Männer denken aber nicht zu sagen wagen“.

Herr Amendt, die Tonart in der Auseinandersetzung zwischen „Frauen-“ und „Männerrechtlern“ wird zunehmend schärfer. Wo sehen Sie die Gründe für diese Eskalation?

"Gerade Männer mit guter Bildung merken immer häufiger, dass Gleichstellungspolitik eigentlich nur Frauenförderung meint. Karriereplanung und Familiengründung werden damit eher unkalkulierbar. Bislang bezog Frauenförderung ihre Legitimation aus dem negativen Bild, das von Männern, Jungen und Vätern gezeichnet wurde. Dagegen wehren sich immer mehr Männer an Schulen, Universitäten, der Bundeswehr und in Unternehmen. Dass Frauenrechtlerinnen über das Schwinden ihrer Legitimationen nicht begeistert sind, ist nachvollziehbar. Es erklärt ihren heftiger werdenden Ton, zumal ein Nein von Männern kulturell weitgehend nicht vorgesehen ist."

 

Monika Ebeling,1959 geboren, ist Diplom-Sozialarbeiterin/-Sozialpädagogin und systemische Familientherapeutin. Sie arbeitete in unterschiedlichen sozialen Arbeitsfeldern u.a. in der Drogenarbeit, in der Krankenhaussozialarbeit, im Kinderheim und der Müttergenesung. Ebeling war auch Pflegemutter und lebte mit verhaltensauffälligen Kindern aller Altersstufen unter einem Dach.

Zuletzt war Ebeling Leiterin einer Kindertagesstätte sowie kommunale Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Goslar. 2011 wurde sie als kommunale Gleichstellungsbeauftragte abberufen, weil sie sich angeblich zu sehr für die Rechte von Männern eingesetzt haben soll. Ihre Abberufung wurde von allen deutschen Leitmedien kommentiert.

Monika Ebeling ist auch als Autorin tätig, ihr erstes Buch wird im Sommer 2012 erscheinen. Sie schreibt für Fachzeitschriften (u. a. Papa-ya, Kita-aktuell) und in der regionalen Presse. Sie bloggt im Internet zu Fragen der Gleichstellung der Geschlechter www.geschlechterdemokratie.wordpress.com. und gründete 2010, gemeinsam mit ihrem Mann, einen Männernotruf (www.maennernotruf.wordpress.com).

Monika Ebeling ist verheiratet und hat vier Kinder.

Frau Ebeling, welche Ziele sollte eine zeitgemäße Gleichstellungspolitik haben? Vor welchen Herausforderungen steht sie?

"Die Frauenbewegung ist an ihren eigenen Ansprüchen, ihrer Einseitigkeit und ihrer Ideologiebesessenheit womöglich gescheitert. Ihre fundamentalistischen Antworten und ihre Kampfansage gegen das, was von ihren frühen Aktivistinnen ´Patriarchat´ genannt wurde, findet heute immer weniger Konsens, wirkt dagegen brüchig und unzeitgemäß.

Der verunsicherte und diskriminierte Mann ist eine traurige Wahrheit. Seine Herabwürdigung, auch durch Frauen, bedarf größerer Aufmerksamkeit. Strukturelle Benachteiligung des Mannes muss erkannt und auch jenseits feministischer Ideologie, behoben werden.

Ein neuer gleichstellungspolitischer Diskurs ist somit eröffnet."

 

Professor Dr. Wolfgang Plischke gehört seit dem 1. März 2006 dem Vorstand der Bayer AG an. Er ist verantwortlich für Innovation, Technologie und Umwelt und betreut die Region Asien/Pazifik.

Wolfgang Plischke wurde am 15. September 1951 in Stuttgart geboren. Nach dem Abschluss seines Biologie-Studiums an der Universität Hohenheim begann er seine Karriere 1980 bei der Bayer-Tochtergesellschaft Miles Diagnostics. 1995 ernannte die Bayer AG ihn zum Geschäftsführer der Bayer Yakuhin Ltd. in Japan mit der Verantwortung für die Geschäftsfelder Pharma und Consumer Care. Im Jahr 2000 wurde er Leiter des Geschäftsbereichs Pharma in Nordamerika und im Januar 2002 übernahm er die Leitung des Geschäftsbereichs Pharma der Bayer AG. In dieser Funktion verantwortete er das weltweite Pharmageschäft mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln. Plischke war vom 1. Juli 2002 bis zu seiner Berufung in den Bayer-Vorstand Mitglied des Bayer HealthCare Executive Committee und leitete die Division Pharma.

Außerhalb der Bayer AG hat Prof. Dr. Plischke eine Reihe von Funktionen übernommen. Er gehört den Vorständen der Ludwig-Heilmeyer-Gesellschaft, der German Asia-Pacific Business Association (Ostasiatischer Verein e.V.) und der Robert-Koch-Stiftung an. Außerdem ist er Mitglied in den Kuratorien der Paul-Ehrlich-Stiftung und des Fonds der Chemischen Industrie. Prof. Dr. Plischke ist darüber hinaus Vizepräsident des European Chemical Industry Council (CEFIC) sowie Vorsitzender des “Research and Innovation” Programms der CEFIC.

Im Juli 2011 wurde Wolfgang Plischke von der Ludwig-Maximilians-Universität München zum Honorarprofessor für Wirtschaftschemie berufen.

Professor Dr. Wolfgang Plischke ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Herr Plischke, aktuell werden wieder Forderungen nach der gesetzlichen Festlegung von „Frauenquoten“ in Führungspositionen der Wirtschaft laut. Wie beurteilen Sie als Unternehmensvertreter diese (geplante) Form staatlicher Einflussnahme?

"Die Motivation, eine bessere Gender-Balance im Management zu schaffen, sollte durch die daraus entstehenden Geschäftsvorteile getrieben werden und nicht durch gesetzliche Quoten. Die Geschäftsvorteile sind heute so offensichtlich, dass wir keinen künstlichen Druck durch Quoten brauchen. Ein guter Mix beider Geschlechter bedeutet einfach besseres Geschäft. Frauen sind heute oft besser ausgebildet als Männer – sie machen 60% der Universitätsabsolventen aus. Durch ihre bereits sehr große und weiter schnell wachsende Kaufkraft sind sie auch eine große Konsumentengruppe. Wenn wir wettbewerbsfähig bleiben wollen macht es Sinn, Management-Kandidaten aus dem Pool beider Geschlechter zu rekrutieren und die Konsumentengruppe der Frauen mit an unsere Entscheidungstische zu holen."

 

Prof. Dr. Christiane Woopen, ist Professorin für Ethik und Theorie der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln. Sie studierte zunächst Humanmedizin an der Universität zu Köln. Während der sich anschließenden Zeit als Ärztin im Praktikum und als Assistenzärztin im Bereich Gynäkologie und Geburtshilfe folgte ein Studium der Philosophie in Bonn und Hagen. 1993 schloss sie die Promotion zum Dr. med. an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn ab. Sie arbeitete zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Wissenschaft und Ethik e. V. in Bonn, bis sie 1998 als wissenschaftliche Mitarbeiterin an das Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Universität zu Köln wechselte. Seit 2009 lehrt und forscht sie hier als Professorin an der Medizinischen Fakultät und leitet die Forschungsstelle Ethik. Aktuelle Forschungsprojekte sind zum Beispiel „Ethische, rechtliche und soziale Aspekte der Tiefen Hirnstimulation – Gesundheit, Lebensqualität und Identität“ sowie „Interdisziplinäre und multiprofessionelle Beratung im Kontext von Pränataldiagnostik – Wissenschaftliche Begleitung neuer gesetzlicher Vorgaben“.

Prof. Dr. Christiane Woopen ist Vorsitzende des Deutschen Ethikrates und u.a. Mitglied im International Bioethics Committee der UNESCO sowie in der Deutschen Gesellschaft für Medizinrecht. Seit 2011 ist sie Prodekanin für Akademische Entwicklung und Gender.



Kontakt

KölnAlumni - Freunde und Förderer der Universität zu Köln e.V.

Tel.: +49 (221) 470-7738
Fax: +49 (221) 470-7724
E-Mail: info (at) koelnalumni.de

Postanschrift:
Albertus-Magnus-Platz
50923 Köln

Besucheranschrift:
Albertus-Magnus Platz 1,
Hauptgebäude, Bauteil 1,
2. OG, Zimmer 1.220
50931 Köln

Quick-Mail

Ihre E-Mail Adresse:

Ihre Nachricht an uns:


 

Service

Satzung

Tätigkeitsbericht

Mitglied werden