KölnAlumni fördert: Konferenz „Die deutschen Dominikaner und Dominikanerinnen 1221-1515“

Bericht: Klaus-Bernward Springer und Sabine von Heusinger
Fotos: Robert Hahn

Das Jubiläum der 1216 päpstlich bestätigten Predigergemeinschaft des Dominikus kann nur
zum Impuls werden, wenn der Orden seine Vergangenheit kritisch auf aktuellem Forschungsstand evaluiert. Die gesellschaftlich relevante dominikanische Geschichte stößt auf Interesse.

Die Tagung entstand auf Initiative von Prof. Dr. Sabine von Heusinger (Mittelalterliche Geschichte, Universität zu Köln) mit Prof. Dr. Walter Senner OP (Institutum S. Thomae / Pontificia Universitas S. Thomae de Aquino in Urbe, Rom) wie eines Auftrags des Provinzkapitels der Teutonia für ihr historisches Institut an P. Elias H. Füllenbach OP und PD Dr. Klaus-Bernward Springer. Thema war der deutsche Sprachraum.

Innerhalb des Ordens entwickelten sich Provinzen unterschiedlich. Ordensmeister Humbert von Romans insistierte auf der Einheit des Ordens, schrieb aber auch:
„Der Grund für die Verschiedenheit ist der Unterschied zwischen den verschiedenen Ländern, der gleiche Status aller Provinzen und Häuser und der exzellente Verstand, den einige haben. Verschiedene Länder haben verschiedene Sitten und aufgrund dieser Verschiedenheit wurden verschiedene Sachverhalte in den Orden eingebracht, auch wenn es nur ein Orden ist. Und weil die Häuser und Provinzen alle gleichberechtigt sind, ist eine Provinz nicht verpflichtet, den Ordnungen einer anderen zu folgen oder sich einer anderen anzupassen. Und da intelligente Brüder der Auffassung sind, dass ihre Gewohnheiten und ihre Praxis genauso gut ist wie die von irgendjemand anderem, sind sie zurückhaltend, diese aufzugeben, wenn nicht die Ordinatio eines Generalkapitels des Gesamtordens definiert, welche raxis vorzuziehen ist.”

Im Sinne dieser Vielfalt bot vom 6. bis 8. November 2014 die internationale und interdisziplinäre Fachtagung „Die deutschen Dominikaner und Dominikanerinnen 1221-1515“ 22 Forschungsbeiträge aus Germanistik, Geschichte, Kunst- und Mediengeschichte, Philosophiegeschichte und Theologie. Im Grußwort hob der Dekan der Kölner Philosophischen Fakultät Prof. Dr. Stephan Grohé die Verbindung zwischen Dominikanerorden, Wissenschaft und Universität Köln hervor; Provinzial Dr. Johannes Bunnenberg begrüßte seinerseits herzlich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem In- und Auslang, die trotz Bahnstreik den Weg zum Kölner Campus fanden. Auf den Workshop mit sechs Präsentationen des wissenschaftlichen Nachwuchses folgten vier Sektionen mit mehreren Vorträgen. Die Oberthemen waren „Innovation und Tradition“, „Wissen ist Macht – das dominikanische Studiensystem und die Predigt“, „Hören und Sehen“ (Dominikanische Spiritualität – Mystik, Liturgie – Kunst, Kontemplation – Apostolat, die Rezeption dominikanischer Glaubensverkündigung) und „Das Eigene und das Fremde“ (Der Orden im Konflikt mit sich und anderen – Observanzstreit, Inquisition, Judenfeindschaft und Hexenverfolgung).
Ein wichtiges Thema war der Ordensgründer. Matthias Standke (Dresden) verglich verschiedene deutsche Dominikuslegenden des 15. Jahrhunderts und ermöglichte so einen Einblick auf Aktualisierungen der Observanz, indem etwa ein Text mehr die Einheit, ein anderer den Gemeinschaftsgeist betonte. Christine Andräs (Regensburg) Analyse des Lektionars der Regensburger Dominikanerinnen erbrachte, dass die 49 Miniaturen die ersten Szenen aus dem Leben von Dominikus wie Petrus Martyr nördlich der Alpen enthielten. Der Autor des kürzlich erschienenen Dominikusbuches Paul Hellmeier OP (München) untersuchte die Gründung des Predigerordens unter Betonung der Chorherrentradition.
Weitere Beiträge behandelten den späteren Ordensmeister Johannes von Wildeshausen als
Bischof in Bosnien (Nedim Rabic, Sarajevo), dominikanische Identitätsstiftung und Repräsentation bei den Lübecker Dominikanern, dominikanische Identität(en) im Werk des Thomas von Cantimpré (Julia Burckhardt, Heidelberg), Albertus Magnus und die Bibelstudien des Dominikanerordens (Susana Bullido del Barrio, Albertus-Magnus-Institut Bonn), Heinrich Seuses „Verteidigung“ Meister Eckharts nach seiner Verurteilung (Fiorella Retucci, Lecce) und am Beispiel der „compilatio mystica“ die dominikanische Prägung des Lehrsystems der deutschen Mystik (Maxime Mauriège, Thomas-Institut Köln).
„Dominikaner in der Stadt” untersuchte Sabine von Heusinger (Köln) und zeigte den Einfluss
des Ordens auf die Städte an den Beispielen Köln und Basel. Kritische Stimmen des 15. Jahrhunderts gegenüber den „Mönchen der Märkte und Messen”, die ihrer Seelsorge in Stadt und Land galt, präsentierte Andreas Rüther (Bochum). Weitere Untersuchungen befassten sich mit einzelnen Konventen. Mehrere Versuche zur Gründung Dortmunds (1309-1330) skizzierte Ursula Overhage (Bremen). Die Ausstattung in Dortmund wie in den Dominikanerkirchen von Lübeck und Frankfurt/Main behandelten Vera Henkelmann (Aachen), Christine Kratzke (Kiel) und Xenia Stolzenburg (Marburg). “Dominikanische Stammbäume” in mehreren Kirchen wurden parallel zur „Wurzel Jesse” entwickelte (Livia Cardenas, Basel). Zur beachtlichen Anzahl kunsthistorischer Themen gehörte auch die Darstellung eines Holzschnitts mit Hexen vom Anfang des 16. Jahrhunderts, der ein vom bekannten Prediger Geiler von Kaysersberg verwandtes Exempel aus dem „Formicarius“ des Johannes Nider illustrierte (Judith Venjakob, Erlangen). Der Thematik von Kampf und Konflikt vertiefte Walter Senner OP (Rom) anhand von Generalkapitelsakten und anderen Quellen für die Auseinandersetzungen mit Kaiser Ludwig. Elias H. Füllenbach (Düsseldorf) behandelte für den Beginn des 16. Jahrhunderts die Dominikaner im Pfefferkorn-Reuchlin-Streit als Einblick in Antijudaismus zwischen Scholastik und Humanismus.

Einen Überblick zur Geschichte der Dominikanerinnen im Mittelalter bot Sigrid Hirbodian
(Tübingen) und lenkte damit den Blick auf den weiblichen Zweig des Ordens. Neben den
Lektionaren von Regensburg und Soest wurden Visionen der Magdalena Kremerin und ihr
Umgang mit der Mystik in Zeiten der Observanz vorgestellt (Stefanie Neidhardt, Tübingen).
Häufiger nachweisbare Kirchenpatronate (Paulus, Maria, Maria Magdalena, Johannes Baptist
wie Evangelist und Katharina von Alexandrien) dienten als programmatische Vorbilder für
Kontemplation und Verkündigung (Klaus-Bernward Springer, Köln).

Die öffentlichen Abendveranstaltungen sowie das Exkursionsprogramm am Ende der Tagung
sollten eine Brücke in die Stadt schlagen. Der öffentliche Abendvortrag von Prof. Dr. Peter
Segl “Deutsche Dominikaner im Kampf gegen Dämonen, Ketzer und Hexen” in der Kölner
Dom- und Diözesanbibliothek fand regen Zuspruch. Am Freitagabend fand in St. Andreas ein
Konzert von „Ars Choralis Coeln” unter der Leitung von Maria Jonas statt, das mittelalterliche Musik aus dem Dominikanerinnenkloster Paradies bei Soest bot. Es war zugleich das Eröffnungskonzert der Albertus-Magnus-Festwoche an St. Andreas. Im Anschluss an die Tagung gab es die Möglichkeit, sich einer Stadtführung (unter Betonung dominikanischer Aspekte) von Letha Böhringer oder einer Führung durch die Ausstellung „Die Heiligen Drei Könige“ im Museum Schnütgen mit Tobias Kanngießer anzuschließen.

Der große Kreis der Teilnehmer aus dem In- und Ausland hat gezeigt, dass es ein großes Interesse an der Geschichte des Dominikanerordens im Mittelalter gibt. Die Vorträge griffen eine Vielzahl von Themen auf, die von der Forschung in den letzten Jahrzehnten eher stiefmütterlich behandelt worden waren. Dank der Interdisziplinarität der Beiträge wird die Forschung reichhaltige Impulse erfahren. Eine Publikation der Beiträge folgt in der Reihe „Quellen und Forschungen zur Geschichte des Dominikanerordens N.F.“ im Verlag De Gruyter.

Die Tagung wurde von KölnAlumni – Freunde und Förderer finanziell unterstützt.


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